 | Am Hancockberg Er nickte und sagte leise:
»Mein Bruder Schar-Iih führe diese Männer in die Gros-Ventre-Berge. Am Metsur-Flüßchen liegen solche Steine, wie sie suchen. Sie haben es verdient!«
»Was noch, Winnetou?«
»Mein Bruder vergesse den Apachen nicht. Er bete für ihn zum großen, guten Manitou! Können diese Gefangenen mit ihren wunden Gliedern klettern?«
»Ja,« antwortete ich, obgleich ich sah, wie die Hände und Füße der Settlers unter den schneidenden Fesseln gelitten hatten.
»Winnetou bittet sie, ihm das Lied von der Königin des Himmels zu singen!«
Sie hörten diese Worte. Ohne erst meine Bitte abzuwarten, winkte der alte Hillmann. Sie erklimmten einen Felsenabsatz, der zu Häupten Winnetous hervorragte, um den letzten Wunsch des Sterbenden zu erfüllen. Seine Augen folgten ihnen und schlossen sich dann, als sie oben standen. Er ergriff meine beiden Hände und hörte nun das Ave Maria beginnen:
»Es will das Licht des Tages scheiden; Nun bricht die stille Nacht herein. Ach, könnte doch des Herzens Leiden So, wie der Tag vergangen sein! Ich leg' mein Flehen dir zu Füßen; 0 trag's empor zu Gottes Thron, Und laß, Madonna, laß dich grüßen Mit des Gebetes frommem Ton: Ave, ave Maria!«
Als nun die zweite Strophe begann, öffneten sich langsam seine Augen und richteten sich mit mildem, lächelndem Ausdrucke zu den Sternen empor. Man sang.
»Es will das Licht des Glaubens scheiden; Nun bricht des Zweifels Nacht herein. Das Gottvertraun der Jugendzeiten, Es soll uns abgestohlen sein. Erhalt, Madonna, mir im Alter Des Glaubens frohe Zuversicht. Schütz meine Harfe, meinen Psalter. Du bist mein Heil; du bist mein Licht! Ave, ave Maria!« |
 |  |
 |