 | Am Hancockberg Nun zog Winnetou meine Hände an seine verwundete Brust und flüsterte:
»Schar-Iih, nicht wahr, nun kommen die Worte vom Sterben?«
Ich konnte nicht sprechen. Ich nickte weinend, und die dritte Strophe begann:
»Es will das Licht des Lebens scheiden; Nun bricht des Todes Nacht herein. Die Seele will die Schwingen breiten; Es muß, es muß gestorben sein. Madonna, ach, in deine Hände Leg ich mein letztes, heißes Flehn: Erbitte mir ein gläubig Ende Und dann ein selig Auferstehn! Ave, ave Maria!«
Als der letzte Ton verklungen war, wollte er sprechen - es ging nicht mehr. Ich brachte mein Ohr ganz nahe an seinen Mund, und mit der letzten Anstrengung der schwindenden Kräfte flüsterte er:
»Schar-Iih, ich glaube an den Heiland. Winnetou ist ein Christ. Lebe wohl!«
Es ging ein konvulsivisches Zittern durch seinen Körper; ein Blutstrom quoll aus seinem Munde; der Häuptling der Apachen drückte nochmals meine Hände und streckte seine Glieder. Dann lösten sich seine Finger langsam von den meinigen - er war tot!
Was soll ich weiter erzählen? Die wahre Trauer liebt die Worte nicht! Käme doch bald die Zeit, in der man solche blutige Geschichten nur noch als alte Sagen kennt!
Wir hatten dem bleichen Tode oft von Angesicht zu Angesicht gegenübergestanden; der wilde Westen gebietet, an jedem Augenblicke auf ein plötzliches Ende gefaßt zu sein. Und doch, als der beste, der treueste Freund, den ich je besessen habe, nun als Leiche vor mir lag, wollte mir das Herz brechen; ich befand mich in einem Seelenzustande, welcher sich nicht beschreiben läßt. Welch ein herrlicher Mensch war er gewesen! Und nun so plötzlich »ausgelöscht, ausgelöscht!« Grad so wird binnen kurzem seine ganze Rasse ausgelöscht sein, deren edelster Sohn er gewesen ist. |
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