In Californien

Die Viertelstunde war kaum vergangen, so vernahm ich Pferdegetrappel; ich tat, als hätte ich es nicht gehört, hielt aber das halbe Auge scharf auf die acht Gestalten gerichtet, welche mich bereits bemerkt hatten und einen Augenblick lang ihre Pferde parierten. Sie wechselten einige Worte und kamen dann auf mich zu. Der Boden war hier so felsig, daß er keine Spuren annahm; sie konnten also nicht sehen, daß ich nicht allein war.
Ich stand jetzt ruhig auf und nahm meine Büchse zur Hand; sie blieben wohl zehn Schritte vor mir halten, und der vorderste fragte:
»Was tut das Bleichgesicht hier in den Bergen?«
»Der weiße Mann hält Rast von einem weiten Wege.«
»Woher kommt er?«
»Vom Ufer des Rio Grande.«
»Und wo will er hin?«
»Uff!« rief da ein Anderer, noch ehe ich die letzte Frage beantworten konnte. »Die Krieger der Comanchen haben diesen weißen Mann am Wasser des Pecos gesehen. Er war da mit Ma-ram, dem Sohn des Häuptlings, und schoß auf die beiden Bleichgesichter, denen meine Brüder nachgejagt sind!«
Dieser Mann gehörte also zu den fünf Comanchen, welche durch ihren Angriff auf mich das Entkommen der Morgans verschuldet hatten. Ich hatte ihn nicht erkannt, weil er damals die Kriegsmalerei im Gesichte trug und mir nur ein kurzer Blick auf die Leute ermöglicht gewesen war.
»Wohin ist das Bleichgesicht mit Ma-ram gegangen?« fragte mich nach dieser Erklärung der Anführer.
»Nach den Wigwams der Comanchen.«
»Wie kam der weiße Mann mit Ma-ram zusammen?«
»Ich nahm ihn gefangen in dem Tale, in welchem er zurückgeblieben war, als die Krieger der Comanchen Winnetou, Sans-ear, ein Bleichgesicht und einen Neger überfielen.«
Bei dieser Antwort griffen die Comanchen zu ihren Messern.
»Uff!« rief der Anführer. »Er hat Ma-ram gefangen genommen! Wo blieben die andern roten Männer?«
»Ich tat ihnen kein Leid. Den Einen band ich, und die vier Anderen hatten keine Augen und Ohren, um zu sehen und zu hören, daß ich den Sohn des Häuptlings mit mir nahm.«

Kapitel
> An der großen Westbahn
> Die Stakemen
> Unter den Comanchen
> In Californien
> Die Railtroublers
> Helldorf-Settlement
> Am Hancockberg
> Das Testament des Apachen
> Nachwort
> Impressum
> Datenschutz

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